Der Rattenfänger von Hameln

Hameln ist durch seine Kinder berühmt geworden. Aber wo sind sie gebleiben? Jedermann weiβ, Hameln ist eine Stadt an der Weser. Dort war im Jahre 1284 eine unerträgliche Rattenplage ausgebrochen. Die lästigen Tiere waren überall und eine Seuche drohte sich auszubreiten.

Gerade zu diesem Zeitpunkt meldete sich im Rathaus ein Pfeiffer. Er schwang eine Flöte und sprach: " Ihr habt die Wahl: wollt ihr an den Ratten zugrunde gehen oder ohne sie leben?" " Natürlich wollen wir leben!" riefen die Ratsherren und spitzen die Ohren. " So will ich sie alle mit dieser Flöte ersäufen." " Das soll uns recht sein," riefen die Herren vom Rat, "aber was begehrst du dafür?" " Des Bürgermeisters Kind zur Frau!" "Oho!" rief das gewichtige Stadtoberhaupt. " Wenn einer muss, dann kann er mehr, als wenn er nur kann," sagte der Pfeiffer. "Muss ich denn?" begehrte der Bürgermeister auf. " Oder die ganze Stadt stirbt am Rattenzahn," drohte der Fremde. "So soll es denn gelten. Das Mädchen für die Ratten!" Der Handel wurde per Handschlag vereinbart.

Am folgenden Morgen in aller Frühe hörten die Bürger ein seltsames Pfeifen, eine wunderliche Melodie. Und sie hörten das Kratzen und Scharren der Ratten in den Ecken und Ritzen. Alle diese widerlichen Tiere liefen in einem langen Zug hinter dem sonderbaren Fremden her- geradewegs in die Weser-und ertranken.

An diesem Morgen konnten die Bürger nach langer Zeit ihren Morgenbrei in Ruhe essen. Nur die Frau die Bürgermeisterin nicht. Sie meckerte und schimpfte, weil sie ihre Tochter nicht als Lohn hergeben wollte, sondern ihr etwas Besseres zugedacht hatte. Während die Frau Bürgermeister noch schimpfte, erschien der Pfeiffer und forderte seinen Lohn. Aber man lachte ihn aus und wies ihn aus der Tür-ohne Lohn!

Da trieb sich der Pfeiffer noch einige Tage in der Stadt herum, schimpfte und erschreckte die Bürger und war schlieβlich verschwunden. Alle atmeten auf. Nun zog Freude ein in Hameln und man bereitete ein grosses Fest vor, das an Peter und Paul-am 26 Juni- gefeiert werden sollte.

Morgens früh gingen die erwachsenen Bürger in die Kirche. Während sie beteten und sangen und Gott dankten, erschien in den Gassen ihrer Stadt abermals der Pfeiffer. Gekleidet wie Jäger, in grünes Zeug mit leuchtend rotem Hut. Und wieder pfiff er sein sonderbares Liedchen.

Da öffneten sich die Türen und die Kinder kamen heraus, hüpften und tanzten hinter ihm her, fröhlich zur Stadt hinaus. Der lustige, bunte Zug bewegte sich zum Berg hin und verschwand darin wie in einer Höhle. Als die Eltern aus der Kirche heim kamen, fanden sie alle Kinder, älter als vier Jahr nicht mehr vor. Sie suchten und riefen, sie weinten und flehten, aber alles nutze nichts, die Kinder bleiben verschwunden-und auch der seltsame Pfeiffer wurde nie wieder gesehen.

Wochenlang suchten viele Menschen in der nahen und weiter Umgebung, aber die Kinder waren verloren. Der einzige kümmerliche Trost für die Stadt ist es, über Jahrhunderte mit dem Ruhm dieser Sage weithin bekannt zu sein: der Rattenfänger von Hameln lockte für den versagten Lohn 130 Kinder von den Eltern fort.

Volkssage

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